Niklas Tarnat

    Seit wenigen Wochen steht ein bekannter Name im RWE-Kader. Mittelfeldspieler Niklas Tarnat, der zuletzt im Profikader des Zweitligisten Hannover 96 stand, will mithelfen, dass in dieser Saison der ersehnte Aufstieg in die 3. Liga gelingt. Vater Michael brachte es als Linksverteidiger zum Nationalspieler und Champions League-Sieger, arbeitet aktuell als Nachwuchsleiter für Hannover 96. Im Gespräch erzählt der 23-Jährige, warum er lange Zeit den Namen „Lohmann“ auf seinem Trikotrücken hatte und welchen seiner Teamkollegen er schon vor der Zeit an der Hafenstraße kannte.

    Hallo Niklas Tarnat! Wie kam es zu Deinem kurzfristigen Wechsel an die Hafenstraße?

    Niklas Tarnat: Kurzfristig trifft es ganz gut. Ich bekam einen Anruf von meinem Berater, dass sich RWE gemeldet und Interesse gezeigt habe. Da habe ich spontan gesagt, dass ich das sehr gerne und sofort machen möchte. Ich habe dann ein paar Tage mittrainiert und dann sind wir uns schnell einig geworden.

    Seit dem Ende der Transferperiode konnten nur noch Spieler verpflichtet werden, die seit dem 1. Juli vertragslos waren. Warum war das bei Dir der Fall?

    Niklas Tarnat: Ich gehörte bis zum Ende der letzten Saison bei Hannover 96 zum Profikader. Mein Vertrag lief zum 30. Juni aus, sollte eigentlich verlängert werden. Plötzlich hatte der Verein aber andere Pläne, das ist für mich unschön gelaufen. Zum Glück durfte ich danach bei der U23 mittrainieren, dauerhaft dorthin zurück wollte ich aber nicht. Deshalb habe ich auf eine passende Möglichkeit gewartet.

    Ich bin sehr froh, dass es jetzt mit RWE geklappt hat. Warum warst Du sofort „Feuer und Flamme“?

    Niklas Tarnat: Rot-Weiss Essen ist ein Traditionsverein mit Ambitionen, die Fanszene und die Stimmung im Stadion sind atemberaubend. Fünfstellige Kulissen sind für die 4. Liga alles andere als normal. Das hat mich sehr gereizt. Auch die räumliche Nähe zu einem Großteil unserer Familie, der nach wie vor in Hilden lebt, kommt mir sehr entgegen.


    Deine Eltern stammen aus Hilden. Wegen der Profikarriere Deines Vaters Michael, der unter anderem für den MSV Duisburg, den Karlsruher SC, den FC Bayern München, Manchester City und Hannover 96 gespielt hatte, war die Familie war viel unterwegs!

    Niklas Tarnat: Wir sind als Familie immer mitgezogen. In München, Manchester und Hannover habe ich als kleiner Junge ihn auch noch selbst spielen gesehen. Das war natürlich sehr aufregend.

    Du hast damals auch einen deiner heutigen Mitspieler kennengelernt, richtig?


    Niklas Tarnat: Das stimmt. Weil unsere Väter damals gleichzeitig bei Hannover 96 unter Vertrag standen, habe ich dort gemeinsam mit Jakob Golz auf der Tribüne gesessen. Später standen wir uns auch noch häufiger in der Regionalliga Nord gegenüber. Von daher war es schon ein lustiger Moment, als ich in Essen in der Kabine aufgetaucht bin.

    Du wurdest in den Nachwuchsabteilungen von Hannover 96 und des FC Bayern München ausgebildet. In München und später auch während Deiner Zeit bei der U23 in Hannover war Dein Vater jeweils Nachwuchsleiter des Klubs. Wie schwierig war das für Dich?

    Niklas Tarnat: Zugegeben: Ich musste mir dort schon ein dickes Fell anschaffen und einige Sprüche wegdrücken. Natürlich bekam ich manchmal auch zu hören, ich würde nur wegen meines Vaters dort spielen. Vor allem im Alter von 12, 13 Jahren ist mir das schwer gefallen

    Deine Eltern müssen so etwas schon geahnt haben, denn in der Jugend hast Du unter einem anderen Namen gespielt. Was hatte es damit auf sich?


    Niklas Tarnat: Obwohl in meinem Personalausweis seit meiner Geburt immer Niklas Tarnat stand, lief mein Spielerpass auf „Niklas Lohmann“. Das ist der Mädchenname meiner Mutter. Damit wollten mich meine Eltern vor Vergleichen mit meinem Vater und eben hämischen Kommentaren bewahren. Das hat mir auf jeden Fall geholfen.

    Ab der U19 spielte aber plötzlich nicht mehr Niklas Lohmann, sondern doch Niklas Tarnat für Bayern München. Warum?

    Niklas Tarnat: Wir waren mit dem FC Bayern damals erstmals in der UEFA Youth League am Start. Bei den ständigen Auslandsreisen war es den Behörden schwer zu vermitteln, warum ich zwei verschiedene Nachnamen hatte. Deshalb wurde es dann auch im Fußballbereich geändert. Ich kann jetzt gut damit leben. (lacht)

    Wie ist es grundsätzlich für einen jungen Fußballer, wenn der Vater Nationalspieler war und mit dem FC Bayern München jeden Titel abgeräumt hat?

    Niklas Tarnat: Ich sage immer, es ist Fluch und Segen zugleich. Obwohl ich eine eigenständige Persönlichkeit und nicht nur der „Sohn von“ bin, bleibt es nicht aus, dass immer wieder eine Verbindung zur Karriere meines Vaters hergestellt wird. Auf der anderen Seite ist es schon sehr hilfreich, zu Hause jemanden zu haben, der genau weiß, wovon er redet, und den ich jederzeit um Rat fragen kann.

    Was hat er zu Deinem Wechsel an die Hafenstraße gesagt?

    Niklas Tarnat: Er hat sich auf jeden Fall sehr gefreut, dass ich für einen so traditionsreichen Verein spielen darf. Meine Eltern werden sicherlich auch demnächst mal bei einem Heimspiel an der Hafenstraße vor Ort sein, sobald es ihre Zeit zulässt.

    Nur wenige Stunden nach Deiner Vertragsunterschrift bist Du beim 7:0 im Niederrheinpokal beim Mönchengladbacher Bezirksligisten Sportfreunde Neuwerk schon zum ersten Mal im RWE-Trikot aufgelaufen. Wie hast Du das empfunden?


    Niklas Tarnat: Einen besseren Einstand hätte ich nicht haben können. Es ist direkt gut gelaufen. Ich habe mich vor allem sehr darüber gefreut, dass ich direkt 90 Minuten spielen durfte. Gerade nach einer längeren Pause ohne Pflichtspiele hilft jede Partie, um den einen oder anderen Rückstand aufzuholen. Grundsätzlich stehe ich aber voll im Saft, weil ich in Hannover fest in das Mannschaftstraining der U23 integriert war. Jede Woche in Pflichtspielen gefordert zu sein, ist aber noch einmal etwas anderes.

    Inzwischen kamen auch schon die ersten Einsätze in der Regionalliga dazu. Welchen Eindruck hast Du vom Team?


    Niklas Tarnat: Ich bin sehr zuversichtlich und positiv gestimmt, dass wir in dieser Saison unser Ziel erreichen werden. Bei den Möglichkeiten des Klubs und der Qualität des Kaders kann es nur unser Anspruch sein, so schnell wie möglich in die 3. Liga aufzusteigen. Wir wissen ja alle, dass RWE eigentlich sogar noch weiter nach oben gehört. Wir tun aber gut daran, nur einen Schritt nach dem anderen zu machen.



    Neun Jahre lang hast Du für den Nachwuchs des FC Bayern München gespielt. Wieviel „Mia san mia“ steckt in Dir?

    Niklas Tarnat: Auf jeden Fall bekommt man beim FC Bayern das Gewinner-Gen deutlich vermittelt. Die Mannschaften gehen immer mit der Überzeugung in die Spiele, die maximale Ausbeute erreichen zu wollen. Es geht nicht nur darum, mitspielen zu wollen, sondern als Sieger vom Platz zu gehen. Diese Mentalität kann nie schaden.


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